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soziale Netzwerke

Okayokayokay...
Ewig nicht mehr hier gewesen, ich weiß.
Ewig nicht geschrieben, schon klar.
Hab "vorhin" (die letzten zwei Stunden) mal wieder den Blog durchstöbert, ein paar Dinge gelesen, Jerusalem nochmal miterlebt, mich an Menschen erinnert, die ich mal gut kannte und als Freunde betrachtet hab, zu denen ich aber keinen oder nur noch sporadischen Kontakt habe (und es auch nicht unbedingt anders haben will).
Seltsam.

Hier wird nicht mehr viel passieren, das Teetesten war zwar lustich, aber wird nicht weitergeführt (es sei denn, ich sollte spontan einen Langeweileanfall bekommen).
Aber ich lasse den Blog weiterhin online. Immerhin einer der ersten, und daher ohne dafür zu zahlen werbefrei.

Soapgeschichten gibt es immer noch, immer wieder, aber ich empfinde sie inzwischen als nicht-internet-öffentlichkeits-tauglich. Nicht, daß es schlimmer geworden wäre (im Gegenteil, es ist nicht mehr so krass.), nur hat sowas hier nichts mehr zu suchen.

Vielleicht verreise ich mal wieder, vielleicht auch nicht (dieses Jahr wird das nichts, das Finanzamt will von Selbstständigen ständig das selbst verdiente Geld haben...).

Die Zahnfeee existiert im fünften Jahr, und es wird nicht langweilig.

Und für alles andere gibt es soziale Netzwerke, die einen Blog zwar nicht ersetzen, aber für Kontaktaufnahme und -weiterführung einfach praktischer sind.

See you!
24.9.12 20:24


Prag "Free WiFi"

prg.aero-free. Fürn Arsch.
Qualität lausig und alle 5 Minuten wird man auf die Werbeseite von denen geleitet, von wo es aus keinen ZurückButton gibt. Meine Füße tun weh. Ich hab viel zu viel Geld ausgegeben. Bin totmüde. Genervt.
Hoffentlich fängt bald das Boarding an......... *NARF!!*
30.9.10 15:13


Busfahrer

p.s.:
Ich verspreche hoch und heilig, daß ich mich niiiie wieder (in den nächsten drei Wochen) über Osnabrücker Busfahrer oder Osnabrücker Autosfahrer oder über Osnabrücker Baustellen oder Osnabrücker Strassenzustände ärgern werde....... !!
28.9.10 22:35


Kontrastprogramm

Heute morgen erst einmal der halbstündliche Check, ob mein Gehalt schon online zu finden ist. Hat ein bisschen auf sich warten lassen, aber dann konnte ich endlich losziehen, ohne jeden Schekel zweimal umdrehen zu müssen.

Auf dem recht späten Weg zu meinem Frühstück bin ich Kefah in die Arme gelaufen, der untröstlich war, daß ich unsere "Verabredung" hab sausen lassen. Sorry, ich bin im Stadt-erleb-urlaub und kein Sex-Tourist... (er ist ein wenig aufdringlich...).
Bin ihm dann glücklicherweise (und aufgrund meiner doch inzwischen recht guten Ortskenntnisse inclusive Nebengässchen) doch entwischt, als er seine Tourigruppe durch die Stadt führen musste.

Und wohin bin ich ihm entkommen? Ausgerechnet die "great wall plaza", den Platz vor der Klagemauer. Einmal dort hab ich mich doch noch an die Mauer vorgearbeitet und habe sie berührt. Es stimmt, es herrscht dort ein Durcheinander von Stimmen, eine Kakophonie der Stimmen, in meinem Fall der weiblichen, da die beiden Bereiche streng voneinander getrennt sind.
Aber wer es als ein lautes babylonisches SprachChaos ohne Struktur bezeichnet, der hört nicht genau genug hin und respektiert nicht die Heiligkeit dieses Ortes.

Und bemerkt dann natürlich auch nicht, was allen gemeinsam ist. Die Sehnsucht nach Frieden, in Jerusalem, in der Welt. Die Erlösung aus dieser verrückten und chaotischen Welt, Sehnsucht nach Ruhe und Erlösung. Wo könnte dies deutlicher zum Ausdruck kommen als dort?? Ich habe auch gebetet, für die Stadt, die ich inzwischen kennen- und lieben gelernt habe. Erschien mir einfach angemessen.

Dann kurz entschlossen mit dem Bus zum zentralen Busbahnhof und von dort auf zum toten Meer. Soviele Sicherheitschecks wie in den letzten Tagen, inclusive Metalldetektoren, Gepäckröntgen und Passkontrolle hab ich in meinem Leben nicht gehabt! Aber der zentrale Busbahnhof ist halt wirklich ein erklärtes Ziel von Terroristen. Nichtsdestotrotz quillt dieser Mix aus Fernbusbahnhof, modernem Einkaufszentrum und Teenietreffpunkt mit unzählichen Fastfoodläden aller Coleur vor Menschen bald über.
Hab nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen länger auf den Bus warten müssen, der dann aber die malerischste Strecke meines Lebens gefaren ist.
An Ostjerusalem vorbei, die ersten Sandsteinhügel, und auf einmal waren wir im Wadi Qumran. Eine lebensfeindliche Steinwüste, wo zumindest auf etwa 300 Quadratkilometern keine Menschenseele lebt. Ab und zu sieht man Militärstützpunkte, aber die sind auch nur an den Hautverkehrsadern gelegen, und diese verlaufen irgendwann auch nur noch am Toten Meer entlang.

Vorbei an Qumran vor gigantischer Kulisse, Ovnat, eine ganze Weile gar nichts als rechter Hand Wadi und linker Hand Totes Meer, und dann kam Ein Gedi ("Een Geedi"), das nur aus einem riesigen Parkplatz, einer Duschanlage, einem Kiosk, einer Bushaltestelle und einem Kilometer Steinchenstrand besteht.
Aber wer dort hinwill, der will eh nur ins Wasser.
Und das ist ganz seltsam...

Der Strand des Toten Meeres ist mit (gewikit) knappen 420 Metern unter Meeresspiegel der tiefste Punkt der Erde, den man trockenen Fusses erreichen kann (also nicht von Eis oder Wasser bedeckt). Und genau so fühlt man sich dort auch. Die Luft ist schwefelhaltig und brennt in den Lungen, sie brennt auch in den Augen, was der Wind, der von den Bergen kommt und Sand in sich trägt, auch nicht gerade besser macht. Und dazu dann noch gemütliche 35°C, wenn denn Schatten wäre...

Egal. Ab ins Wasser. Man geht ein paar Schritte und merkt, wie das aufgewirbelte Wasser Schlieren bildet (wie wenn man versucht, drei Eßlöffel Salz oder auch Zucker in einer Mokkatasse voll Wasser unterzubringen), es ist beinahe dickflüssig und schwappt einem träge um die Beine. Gestolpert bin ich dann, und dacht mir, ich fang mal an mit Schwimmbewegungen, aber das funktioniert gar nicht! Man bekommt die Füsse kaum unter Wasser, das geht nur, wenn man ganz senkrecht im Wasser "steht", und dann ist mit vorwärts kommen nicht mehr viel. Also lässt man sich treiben. Wenn man in normalem Wasser auf dem Rücken treibt, werden unweigerlich die Nackenhaare, egal wie kurz die sind, nass. Und man bekommt meist Wasser in die Ohren. Nicht dort. Das Wasser reicht einem, auf dem Rücken treibend, gerade mal bis zur Achsel. Unsichtbare Schwimmflügel und ein unsichtbarer Rettungsring, das triffts am besten glaub ich.
Daß das Salz wie bescheuert in den Bissstellen der beschissenen Bremsen brennt, erwähne ich jetzt nicht, sonst fängts wieder an zu jucken...
Und es schmeckt auch gar fürchterbar. Wusste ich, ausprobieren musste ich es trotzdem. Winzigkeit. Tröpchen. Zuviel.
(Wie bekomme ich jetzt den abgefüllten halben Liter Totes Meer Wasser durch den Zoll...??)

Die Sonne geht unter, die Schwimmer sollen aus dem Wasser kommen. Tun sie natürlich nicht, es ist viel zu genial, die Sonne untergehen zu sehen hinter den Bergen des Wadis, und währenddessen am tiefsten Punkt der Erde in diesem Höllenpool zu treiben...

Dann doch raus, das Salz vom Körper spülen unter einer der Strandduschen, den schwarzen Schlick vom Grund, mit dem sich manche komplett eingeschmiert haben (ich hab mal darauf verzichtet), bin im Hemd reingegangen, wasche es aus, wringe es aus und zieh es wieder an - herrlich kühlend!

Dann zur Bushaltestelle, auf den Bus zurück warten. Schonmal versucht, sich gleichzeitig die Haare zu fönen und ein Wassereis zu essen? Man stelle es sich vor, probiere es am besten gleich mal aus! Allerdings ist der Fön auf heiß gestellt und so groß, daß nicht nur die Haare, sondern der komplette Körper gefönt wird, und zwar ohne ein Geräusch zu machen...
Innerhalb von zehn Minuten waren meine Klamotten trocken (das krieg ich zu Hause nicht mal mit den Haaren hin!!), und das pappsüße WassermelonenWasserEis geistesgegenwärtig nur auf den Steinen neben mir und nicht auf mir verteilt.
Allerdings knirscht der Sand, den der Wind von den Bergen zum Meer trägt inzwischen zwischen meinen Zähnen.
Irgendwann kommt tatsächlich der Bus, und es folgen zwei Stunden Fahrt durch Dunkelheit.
Hin und zurück für umgerechnet 10 Euro, da beklag ich mich nicht.

Wieder zurück im Hostel, schnell einen guten Schlafplatz sichern (wer zuerst kommt, kann als Erstes aussuchen), Klamotten umpacken, in die Stadt, in das Restaurant, das ich vorgestern schon besucht habe und das seeeehr gute Küche bietet. Gebratene Garnelen mit Zitrone, Knoblauch und Petersilie - ein Gedicht!!!
Und die spanische Tourigruppe, die mit 20 Leuten mindestens 40stimmig "el capitano" singt, während die Restauranteigenen Lautsprecher afrikanische Rhythmen zum besten geben, und ich mit dem Laptop an der audiovisuellen Schnittstelle zwischen beidem...

Zum Glück ist das jetzt vorbei, wir hören nach kurzer demokratischer Abstimmung von Koch, Kellner, best girl Rosanna, Mama von Kellner, Besitzer und Thekenstammgast Madonna und Genesis. Glaubt mir, die Alternative hätte mich zur sofortigen und überstürzten Flucht genötigt...

Alles in allem ein abwechslungsreicher, kontrastreicher Tag.
Hitze, Gebete, Steine, Salz, Garnelen, Menschenaufläufe, Spanier und einsame Nachtfahrt. Geil.
28.9.10 22:33


Norden, Osten, und lange Fußmärsche und Gedanken

Ich bin gar. Also rundherum, wie ein guter Kebabspieß...

Zunächst in Richtung Norden, endlich mal die noch "fehlenden" Tore, Herodestor, Löwentor, Goldenes Tor, Dungtor, ein paar schöne Ecken dazwischen gesehen. Salomons bzw. Zedekias Höhle hab ich auch erkundet, 9000Quadratmeter unter der Erde, ein riesiger Dungeon, feucht und warm, wo - als einziger Fakt neben all den Legenden - Steine gekloppt wurden. Manche sagen, der unterirdische Steinbruch wurde seit 1000 vor Chr. genutzt, belegt ist die Nutzung seit etwa 100 v.Chr. (für den zweiten Tempel unter König Herodes) bis 1904. Das ist schon verdammt lang, und entsprechend groß ist die Höhle geworden! Da könnte man sich tatsächlich verlaufen, wenn man von den angelegten Wegen abweicht.

Danach ganz in Ruhe im arabischen Viertel heißen, süßen Minztee getrunken und Shisha (Apfel, für die die es wissen wollen) geraucht. Vielleicht ungewöhnlich für eine einzelne Frau, die sogar mit ihrem weißen Oberteil und den dunklen Haaren ein bisschen nach Jüdin aussieht, aber anhand von Rucksack, Strassenkarte und Kamera eindeutig als Touristin identifiziert werden kann. Entsprechend interessiert, Stirnrunzelndgrinsend waren die Blicke und Sprüche, aber ich hab mich wohl gefühlt.

Die Kirche der Verurteilung und die direkt daneben liegende Geißelungskirche angeschaut. Römischer Bau, sehr angenehmer Gegensatz zu den engen Strassen "draussen".
Kleiner Insider: Die Geißelungskapelle heißt im englischen "Chapel of Flagellation". Klar, daß ich da mal hin musste.

Raus aus der Stadt, Richtung Garten Gethsemane - zum Glück noch am frühen Nachmittag!
Es war enttäuschend, zum einen hat der gar nicht abends auf, sondern schließt noch vor Sonnenuntergang, darüber hinaus ist es ein abgezäunter, ca. einhundert Quadratmeter großer Garten, sauber angelegte Wege, die niemand betreten darf, das Ganze kostet auch noch Eintritt, da man von dort aus auf vorgezeichneten Wegen in die Kapelle der Nationen kommt.

Hab dort am Rand auf einer Steinbank im Schatten der Kapelle gesessen, mir von Touristengruppen reihenweise auf die Füße treten lassen, und versucht mir vorzustellen, wie Jesus am Abend seiner Verhaftung hier geruht und nachgedacht haben könnte. Gelang mir nur ansatzweise. Wenn man von unten durch die Kronen der tausend Jahre alten Olivenbäume schaut, sich den Nachthimmel vorstellt, und alles andere ausblenden kann, gelingt es ein bisschen.

Ich stelle mir immer vor, daß er das Ganze schon geplant hat, daß er wusste, daß ihn jemand verraten muß, daß er diese Aufgabe, damit ja nichts schief geht, seinem besten Freund und zuverlässigsten Jünger anvertrauen musste. Und nachdem er alles in die Wege geleitet hatte, sich an den verabredeten Treffpunkt begeben und dort gewartet hat. Mit dem alles bestimmenden Gedanken "Scheiße, was hab ich da losgetreten?? Jetzt liegt es nicht mehr in meiner Hand, jetzt wird alles so kommen, wie es kommen muß. Mach, daß es schnell geht, mach, daß sie skrupellos sind und mich schnell töten..."
27.9.10 18:16


Ärgernisse

Die Dame auf der Nachbarmatratze schlägt und tritt mich, während sie einschläft (und ich noch wach bin, aber auch versuche einzuschlafen), die Decke ist zu warm (ohne ists zu kalt wegen des Winds), der Feuergeruch ist immer noch zu riechen (hirninterne Alarmsensoren lassen sich nicht einfach ausschalten), eine recht unruhige Nacht. Was die Sache nicht besser macht ist die Tatschae, daß ich für die Bremsen hier wohl unwiderstehlich bin.
Linker Arm ab Ellenbogen 7 Bisse, rechter Arm nach aktueller Zählung 11. Und das juckt. Sehr. Nervig. ARGH.

Bin ein bisschen angefressen (ha, wasn Wortwitz), gammel ein bisschen im Schatten des großen Sonnensegels auf dem Dach herum, habe noch keine genauen Pläne für heute, außer daß ich nach Sonnenuntergang in den Garten Gethsemane will.

Irgendwann mal aufbrechen, gemütliches Frühstück finden, laufen. Wird richtig sein, machen hier alle, meine Füsse fühlen sich schon nach Pilgerfüssen an, aber so sieht und erlebt man am meisten.
27.9.10 07:45


Feuer? Feuer!

Vorhin hat es angefangen, sehr stark nach Feuer zu riechen... und nachdem vor zwei Wochen das Dach eines anderen Hostels in Flammen aufgegangen ist und hier auch genug entzündlicher Kram rumliegt (Schaumstoffmatratzen eben), ist jeder ein wenig sensibilisiert für das Thema.
Es hat in den letzten 3 Monaten so wenig geregnet, und war die ganze Zeit ziemlich heiß, so daß definitiv aufgepasst werden muß, keine Zigaretten auf dem Dach wenn die Matratzen ausliegen. Jeder hält sich daran, sogar ich.
Das Feuer erhellt und illuminiert den gesamten Nachbarhof etwa 100 m entfernt, und wird immer größer. Das Knistern ist bis hierher zu hören.
Es riecht aber nur nach Holz, kein Plastik oder ähnliches, Sirenen sind keine zu hören, es scheint tatsächlich "nur" ein großes Freudenfeuer zu sein, in dem die Strohdächer der Sukkas verbrannt werden, es riecht würzig und nach exotischen Hölzern wie Palme und Pinie.
Irgendwann werde ich einschlafen und von Phönixen, Drachen oder anderem seltsamem Feuerviechzeug träumen, da wette ich!
26.9.10 22:28


Yad Vashem und lange Fußmärsche und Reflektionen

Schon allein die Busfahrt war abenteuerlich.
Taxi ist einfach viel zu teuer, sämtliche Preise hier kann man durchaus mit den heimischen Preisen vergleichen, egal ob Taxi, Zigaretten, Eintrittspreise, Essen ausserhalb oder aus dem Supermarkt.
Back to topic – im Bus aus der Stadt raus wars noch okay, in die Stadt rein kam man kaum, da heute der höchste Feiertag des Laubhüttenfests ist (der „Jubeltag“, es wird sich gefreut…).

Im Bus eine Soldat, mit der Uzi auf dem Schoß, tief und fest am schlafen, mit dem Kopf gegens Fenster gelehnt. Nicht daß der im Schlaf mal mit den falschen Muskeln zuckt… (okay, ich weiß, es gibt ne Sicherung. )

Yad Vashem hat nen eigenen Busshuttleservice von der regulären Buststation aus, da ich aber nicht genau wusste, wann ich aussteigen muß, bin ich mal der einzigen Mitfahrerin nachgedackelt. Und kam auch an. Allerdings am anderen Ende von Yad Vashem, dem „Tal der Gemeinden“. Gut, dann zäumen wir das Pferd eben von hinten auf.

Yad Vashem ist, für alle die es nicht kennen, DIE Gedenkstätte die an alle Opfer und Überlebenden des Holocausts erinnert und sie ehrt und alle Daten, Fakten und persönlichen Zeugnisse sammelt und wissenschaftlich dokumentiert.

Yad Vashem ( bedeutet im hebräischen „Denkmal“ und „Name“) erhielt seinen Namen nach Jesaja 56,5: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ (hab ich natürlich gewikit, das hab ich mir nicht mehr ganz merken können.)

Was ich aber sehr erwähnenswert finde, ist die Tatsache, daß man Yad Vashem unterschiedlich übersetzen kann: „gedenke der Namen“, „Denkmal der Namen“, „Denkmal aus Namen (gemacht)“ – und alles trifft zu!

Also von hinten anfangen, den Touris (die noch nicht anwesend sind ausser meiner Person) entgegenlaufen, zunächst wirkliche Ruhe. 20 Hektar wollen erkundet werden…

Das Tal der Gemeinden. Ein Irrgarten aus Sandsteinen gebaut, in jeder Nische große gravierte Tafeln mit den Namen der jüdischen Gemeinden (auf hebräisch und in der Landessprache), die während des Holocausts dem Erdboden gleichgemacht wurden. Angelegt wie eine Weltkarte, und es sind soviele Städte… keine, die ich gesucht und nicht gefunden habe.
Im Multimediacenter (mittendrin im Tal) ist auch noch niemand, der dösende Empfangsmokel versteht mich nicht, schiebt mich aber förmlich in den „Kinosaal“, wo ich die Geschichte der Juden vor dem zweiten Weltkrieg in Bildern erzählt bekomme. Nicht viel Neues, aber beeindruckend zusammencollagiert.

Weiter in der brütenden Hitze (morgends um 8 Uhr hats hier schon muckelige 35°C im Schatten) auf dem „Weg der Gerechten unter den Völkern“ vorbei unter Pinien, Johannisbrotbäumen, und anderen, die ich nicht identifizieren kann. Die "Gerechten unter den Völkern" sind diejenigen Nichtjuden, die während des Holocausts Juden Unterschlupf gewährten, oder wie Oskar Schindler dafür sorgten, daß Juden vor den Vernichtungslagern gerettet wurden, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens für andere stark gemacht haben. Und es sind viele.
Und jeder, der nominiert und dann geehrt wird, bekommt eine Urkunde, einen Orden (ähnlich dem Bundesverdienstkreuz) und wird eingeladen, einen Baum zu pflanzen auf dem Gelände Yad Vashem zu pflanzen. Und es stehen dort viele Bäume...

Weiter dahin, wo es nach Museum aussieht. Ist aber die „Halle der Erinnerung“ – eine riesige Fläche, aus tausenden Mosaiksteinen zusammengesetzt, auf der die Namen der größten Vernichtungslager eingelassen sind, und ein gußbronzener zerbrochener Kelch, direkt unter einem Okular in der Decke, in dem ein ewiges Feuer brennt. Hier ist es kühl, still, und sehr gedenklich. Eigentlich eine gute Einstimmung auf das, was jetzt kommt, das Museum an sich.

Ein UmhängeMP3PlayerFunkenähnliches Gebamsel besorgt, auf deutsch spricht eine Frau in feierlichem Singsang in mein Ohr. Nervt mich schon nach wenigen Minuten, aber ein paar interessante Fakten sind dabei. Die Architektur wird erklärt, Zahlen und Fakten, und alles hat eine tiefere Bedeutung… Nunja.

Die Ausstellung befasst sich chronologisch mit den politischen Zusammenhängen, der Annektierung Österreichs, den ersten Ghettos, dem Barbarossadings, Marshallplan, und viele Dinge, die ich schon im Geschichtsunterricht langweilig fand. Ich glaube, zu politischen Ereignissen werde ich nie wirklich einen Draht bekommen…

Allerdings mu man eingestehen, daß Hitler einen fähigen Beraterstab hatte, "Marketing" allererster Sahne. Manipulation durch Massenmedien (Zeitungen, Bücher, Kinderspiele, Volksempfänger, Wochenschau, usw.) wie man es nicht besser machen könnte. Leider. Ein Kinderbrettspiel namens "Juden raus!", wo derjenige gewinnt, der durch Strategie und Würfelglück als erster 6 Juden vom Spielbrett gejagt hat... Gruselig.

Im Bereich, der die Gettos in Krakaw und vielen anderen Städten behandelt, die Enteigung der Juden, die öffentlichen Demütigungen, Deportierungen, Ghettoaufstände, die Vernichtungslager an sich, und nicht zuletzt das Schicksal der Verfolgten und letztlich Überlebenden nach Kriegsende sind eindrucksvoller.
Die Zeitzeugenberichte, per Video an den Wänden zu sehen, sind deutlich tiefergehend, Einzelschicksale, Namen, persönliche Gegenstände, Briefe, Plakate (u.a. auf deutsch) machen vieles sehr viel fassbarer…
Ziemlich kaputt komme ich in den letzten Raum der Ausstellung, der „Halle der Namen“ – in Aktenordnern sind pro bekanntem Namen eines Holocaustopfers eine Seite als Gedenktafelersatz abgeheftet. Und es sind viele Ordner… Und immer noch einige Regale frei, für all diejenigen Namen, die noch nicht erfasst und bekannt sind. In der Mitte des runden Raumes eine tiefe Grube in den Fels gehauen, direkt darüber ein Kegel, von innen mit Portraitfotos von ermordeten Menschen gespickt. Durch die Zeitzeugenberichte und die persönlichen Gegenstände von einigen meint man, ein paar dieser Menschen persönlich zu kennen und empfindet auf einmal eine Trauer, die über das Gefühl hinausgeht, wenn man nur über die politischen Ereignisse und die Zahlen der Opfer liest.

Aber es kommt noch heftiger.
Raus aus dem Museum, die Halle der Erinnerung nocheinmal kurz besuchen, ein paar hundert Meter weiter zur Gedenkhalle der Kinder. Man steigt einige Stufen zwischen Sandsteinen runter, biegt zweimal links ab, ist geblendet von dem hellen Stein und der Hitze und steht plötzlich im Stockfinstern, sucht nach Halt in Form eines Handlaufs an der verspiegelten Wand. Nach zwei Sekunden nimmt man hunderte, tausende, Millionen von Kerzenlichtern im Dunklen wahr, die wirklich überall leuchten. In weiter Ferne, über einem, unter einem, tausendfach gespiegelt, und eine Frauenstimme liest die Namen von Kindern vor, auf hebräisch, deutsch, englisch, niederländisch, polnisch und natürlich hebräisch. Name, Alter, Heimatland. Die Frauenstimme liest weibliche Kindernamen vor, eine Männerstimme männliche Kindernamen. Moishe Felsen, 3 Jahre alt, Deutschland. Ruth Gorbeinam, 15 Jahre alt, Litauen. Und so weiter.
Darf ich gestehen, daß ich mir die Augen aus dem Kopf geheult hab?

Gut, daß der Weg zurück ohne Bus ziemlich weit ist, ich bin gelaufen. Hatte etwas Zeit zum Nachdenken, bis ich dann in „Neu-Jerusalem“, dem westlichen Teil der Stadt ankam.

Wurde beinahe erschlagen von diesem Mix aus modernen Geschäften, McDoof mit Rucksackcheck am Eingang durch Sicherheitskräfte mit Uzis (aber ohne McRib, weil Schweinefleisch), Falafelbuden, Ramschläden, wo unsere ImportExportTürkenläden echt nicht mithalten können, Schuhgeschäften (wieviele Paare Schuhe braucht ein Mensch????), Sukkas vor jüdischen (und natürlich kosheren) Restaurants (nochmal erklären? Sukka = behelfsmässige Unterkunft im Freien, zur Zeit des Laubhüttenfests, in denen ein Jude mindestens 7 Nächte (ausserhalb Jerusalems 8 Nächte) zumindest zeitweise verbringen soll im Gedenken an die Jahre, die das jüdische Volk durch die Wüste gezogen ist), abgewrackte mehrstöckige Wohnhäuser, renoviert zum letzten Mal vermutlich vor dem ersten Weltkrieg, neben nagelneuen Einkaufspassagen, die locker mit denen auf der Königsallee, Düsseldorf mithalten können. Gegensätze, meine Fresse.

An Bet She´arim bin ich nur vorbei gegangen, das ultraorthodoxe Viertel, in das man nur nach gründlichem Rucksackcheck und Leibesvisitation reinkommt.
Mich mehrfachst verfranst, aber es hat sich gelohnt!

Irgendwann dann doch wieder am Jaffator angekommen, wo (immer noch!!) das Jubelfest mit Kirchenbasarständen, musikalischen Darbietungen von örtlichen Vereinen und jeder Menge Fressbuden tobt. Natürlich wieder nur mit Rucksack öffnen und Polizeiabsperrungen…

Nach nun fast 12 Stunden Wanderung wieder im Hostel. Schlafplatz sichern, Rucksack umräumen, Duschen, Wäsche waschen (ich hab mein Lieblingsoberteil, und bis morgen ist das eh trocken), auf der Terasse mit Menschen reden.

Und genau das ist so toll an Hostels. Ich verkrieche mich nicht in mein behagliches Hotelzimmer mit Klimaanlage und TV, sondern sitze, Beine baumelnd und rauchend, über der Stadt und unterhalte mich mit (Name vergessen) über Yad Vashem.

Kann für mich nicht behaupten, daß ich als Deutsche mich schuldig fühle. Ich trage keine Erbschuld mit mir herum. Ich bin 1975 geboren, entschuldigung… Bin aber sensibiliert für das Thema gerade wegen meiner Herkunft, natürlich. Den Unterschied klar zu machen wäre mir auf englisch diesmal eher nicht gelungen.

Ein schöner Abschluß dieses Tages, reflektieren zu können mit jemandem zusammen, der auch dort war, zeitnah.

Ein langer Tag, ein langer Text. Ich gehe schlafen mit der Geräuschkulisse der Stadt, die Feierlichkeiten am Jaffator, knappe 200 m entfernt. Scheiße, ich liebe meinen Schlafplatz auf dem Dach der alten Stadt!!

Morgen wird’s kürzer, glaub ich.
26.9.10 23:03


p.s.

und noch eine:
Abendessen in trauter Runde, ein Mexikaner, zwei Französinnen, zwei Spanier und eine Deutsche (that´s me), kochen spontan zusammen, kreieren etwas nie dagewesenes aus den Vorräten aller Beteilgten, heraus kam ein etwas scharf geratenes Ratatouille mit Spaghettini, Bakhlava und seltsamem Ziegenkäse mit Pistazien. Köstliches Sprachgewirr, schöne Begegnung.
25.9.10 22:18


Begegnungen

Heute hatte ich eigentlich nicht viel vor - "nur" ein bisschen Richtung Mount Zion / Zionsberg, dort wenn möglich, den Friedhof und Schindlers Grab finden. Ein bisschen herumlaufen, genug sehen tut man so oder so. Und wenn man früh losgeht, wird man auch eine Weile lang von den Touristenjägern, die einen in den eigenen Laden ziehen wollen, verschont. Also früh los, so gegen 7 Uhr.

Es wurde ein Tag der Begegnungen.

Auf dem Weg zum Zionstor absolut tote Hose, es ist Shabbat... Aer ein Porzellanmaler hatte seinen Laden geöffnet, und war völlig vertieft in seine Arbeit, das Radio lief auf voller Lautstärke. Ich bin vorsichtig rein, kurzer Blickwechsel, lautlose Frage, ebensolche Einladung, ich hab mich still daneben gesetzt und hab bestimmt ne halbe Stunde einfach nur geschaut.
Dann fing er an, Fragen zu stellen, wir haben über künstlerische Berufe (Zahntechnik ist immerhin auch so einer), Farben und ihre Bedeutung, Durchschnittsgehälter hüben wie drüben, Taufen im Jordan und alles möliche geredet. Der erste Mensch hier, ausserhalb des Hostels, der mir nichts verkaufen wollte, sondern sich einfach nur unterhalten. Hagob sein Name. Ziemlich klasse Kerl.

Weiter zum Zionsberg. Mal wieder hab ich mich verlaufen, aber das passiert mir hier ständig. Auf diese Weise Davids Grab und den (eventuellen) Raum des letzten Abendmahls gefunden. Liegt beides irgendwie so abgelegen, daß kaum Touris hingehen, oder ich war bloß früh genug dort?
Dann weiter, hab mich zum katholischen Friedhof durchgefragt, auf dem Weg dorthin liegt St. Peter in Gallicantu ("Sankt Peter zum Hahnenschrei"), in dessen Krypta angeblich Maria ihre letzten Jahre verlebt haben soll. Dort bin ich natürlich auch runter, und siehe da: Touristengruppen. Aber es war trotzdem sehr schön, die spanische Pilgergruppe hat angefangen zu singen, der geistliche Führer von denen (ich nehme mal an, es waren Katholiken) sprach das Ave Maria, und auch wenn ich keine Ahnung habe von der katholischen Lithurgie, so war es doch sehr schön, dabei zu sein. Eigentümliche Athmosphäre, auch wenn ich für mich selbst von der Marienverehrung nicht viel halte.

Dann endlich hab ich den Friedhof gefunden. Quer über eine Hauptverkehrsstrasse, ziemlich abgelegen eigentlich, brüllend heiß, da es nichts gibt, was irgendwie Schatten spenden würde, und dann auch noch ein gutes Stück den Berg runter, schweißgebadet. Und dann hab ichs doch noch gefunden. War nicht schwierig, wenn man einmal davor steht, es ist dasjenige, das man kaum unter all den abgelegten Steinen sieht!
Und natürlich selber auch einen Stein abgelegt. Bzw. zwei. Im Auftrag. Der gesamte Marmorstein war schon voll mit Steinen, nur die eingravierte Inschrift ist zu lesen, und scheinbar wird regelmässig "aufgeräumt", aber das geht auch gar nicht anders...

Zurück, die Stufen hoch, den Berg hoch, den Weg zum Zionstor hoch. Meine gute Güte. Workout bei 37°C im Schatten. Wasser trinken, die Füsse trotzdem in Bewegung halten. Von den Füßen leiten lassen, mal hier abbiegen, mal dort reingehen. Eine sehr schöne Gasse gefunden, der Boden voller Blütenblätter (muß bei Gelegenheit mal nachsehen, was das für ein Baum war... lila Blüten, ziemlich groß). Eine Tür geht auf, eine Frau sieht mich an die Wand gelehnt ausruhen und Wasser trinken, fragt nur kurz, obs mir gutgeht. Wir kommen ins Gespräch. Und sie läd mich ein, in ihr Haus. Sie heißt Eloinda. Nachtigall.
Wir reden viel, über Religion, die Bedeutung Jerusalems, Zufälle und Sich-leiten-lassen, sie betet für mich, segnet mich. Worte fehlen.

Zurück zum Jaffator, dort tobt inzwischen das Leben. Und die Händler kämpfen um jeden Kunden. Ich wehre mich zwar mit Händen und Füssen, aber eine einladung kann ich nicht abschlagen. Bekomme Pfefferminztee mit gaaanz viel Zucker (so liebe ich das), er stellt seinen kompletten Laden auf den Kopf, um mir mer und mehr Teppiche zu zeigen, wir reden über alles mögliche, natürlich will er mir einen seiner (wirklich schönen!) Teppiche verkaufen, aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen. Ich verlasse diesen orientalischen Bazaar, er ist natürlich tief enttäuscht, aber die armenische Gastfreundschaft ist ihm trotzdem wichtiger, und irgendwie scheint er hin- und hergerissen, weil er mir nicht böse sein kann, obwohl ich ihm nichts abkaufe. Ich glaube, er war tatsächlich verwirt. :D

Inzwischen ist es halb 6, die Sonne geht schon wieder unter, die Hostel-Katze ohne Namen liegt und schnarcht auf meinem Rücken (und ich auf dem Bauch auf dem verranzten Sofa auf der Dachterasse, nur liegend), die Muezzin fangen schon wieder an zu Singen, der Tag ist zu Ende, jedenfalls für mich.

Ein Tag voller wertvoller Begegnungen, ich habe Jerusalem von sehr unterschiedlichen Seiten erlebt und das ganz ohne teuren Touristenguide.
25.9.10 17:33


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