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Begegnungen

Heute hatte ich eigentlich nicht viel vor - "nur" ein bisschen Richtung Mount Zion / Zionsberg, dort wenn möglich, den Friedhof und Schindlers Grab finden. Ein bisschen herumlaufen, genug sehen tut man so oder so. Und wenn man früh losgeht, wird man auch eine Weile lang von den Touristenjägern, die einen in den eigenen Laden ziehen wollen, verschont. Also früh los, so gegen 7 Uhr.

Es wurde ein Tag der Begegnungen.

Auf dem Weg zum Zionstor absolut tote Hose, es ist Shabbat... Aer ein Porzellanmaler hatte seinen Laden geöffnet, und war völlig vertieft in seine Arbeit, das Radio lief auf voller Lautstärke. Ich bin vorsichtig rein, kurzer Blickwechsel, lautlose Frage, ebensolche Einladung, ich hab mich still daneben gesetzt und hab bestimmt ne halbe Stunde einfach nur geschaut.
Dann fing er an, Fragen zu stellen, wir haben über künstlerische Berufe (Zahntechnik ist immerhin auch so einer), Farben und ihre Bedeutung, Durchschnittsgehälter hüben wie drüben, Taufen im Jordan und alles möliche geredet. Der erste Mensch hier, ausserhalb des Hostels, der mir nichts verkaufen wollte, sondern sich einfach nur unterhalten. Hagob sein Name. Ziemlich klasse Kerl.

Weiter zum Zionsberg. Mal wieder hab ich mich verlaufen, aber das passiert mir hier ständig. Auf diese Weise Davids Grab und den (eventuellen) Raum des letzten Abendmahls gefunden. Liegt beides irgendwie so abgelegen, daß kaum Touris hingehen, oder ich war bloß früh genug dort?
Dann weiter, hab mich zum katholischen Friedhof durchgefragt, auf dem Weg dorthin liegt St. Peter in Gallicantu ("Sankt Peter zum Hahnenschrei"), in dessen Krypta angeblich Maria ihre letzten Jahre verlebt haben soll. Dort bin ich natürlich auch runter, und siehe da: Touristengruppen. Aber es war trotzdem sehr schön, die spanische Pilgergruppe hat angefangen zu singen, der geistliche Führer von denen (ich nehme mal an, es waren Katholiken) sprach das Ave Maria, und auch wenn ich keine Ahnung habe von der katholischen Lithurgie, so war es doch sehr schön, dabei zu sein. Eigentümliche Athmosphäre, auch wenn ich für mich selbst von der Marienverehrung nicht viel halte.

Dann endlich hab ich den Friedhof gefunden. Quer über eine Hauptverkehrsstrasse, ziemlich abgelegen eigentlich, brüllend heiß, da es nichts gibt, was irgendwie Schatten spenden würde, und dann auch noch ein gutes Stück den Berg runter, schweißgebadet. Und dann hab ichs doch noch gefunden. War nicht schwierig, wenn man einmal davor steht, es ist dasjenige, das man kaum unter all den abgelegten Steinen sieht!
Und natürlich selber auch einen Stein abgelegt. Bzw. zwei. Im Auftrag. Der gesamte Marmorstein war schon voll mit Steinen, nur die eingravierte Inschrift ist zu lesen, und scheinbar wird regelmässig "aufgeräumt", aber das geht auch gar nicht anders...

Zurück, die Stufen hoch, den Berg hoch, den Weg zum Zionstor hoch. Meine gute Güte. Workout bei 37°C im Schatten. Wasser trinken, die Füsse trotzdem in Bewegung halten. Von den Füßen leiten lassen, mal hier abbiegen, mal dort reingehen. Eine sehr schöne Gasse gefunden, der Boden voller Blütenblätter (muß bei Gelegenheit mal nachsehen, was das für ein Baum war... lila Blüten, ziemlich groß). Eine Tür geht auf, eine Frau sieht mich an die Wand gelehnt ausruhen und Wasser trinken, fragt nur kurz, obs mir gutgeht. Wir kommen ins Gespräch. Und sie läd mich ein, in ihr Haus. Sie heißt Eloinda. Nachtigall.
Wir reden viel, über Religion, die Bedeutung Jerusalems, Zufälle und Sich-leiten-lassen, sie betet für mich, segnet mich. Worte fehlen.

Zurück zum Jaffator, dort tobt inzwischen das Leben. Und die Händler kämpfen um jeden Kunden. Ich wehre mich zwar mit Händen und Füssen, aber eine einladung kann ich nicht abschlagen. Bekomme Pfefferminztee mit gaaanz viel Zucker (so liebe ich das), er stellt seinen kompletten Laden auf den Kopf, um mir mer und mehr Teppiche zu zeigen, wir reden über alles mögliche, natürlich will er mir einen seiner (wirklich schönen!) Teppiche verkaufen, aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen. Ich verlasse diesen orientalischen Bazaar, er ist natürlich tief enttäuscht, aber die armenische Gastfreundschaft ist ihm trotzdem wichtiger, und irgendwie scheint er hin- und hergerissen, weil er mir nicht böse sein kann, obwohl ich ihm nichts abkaufe. Ich glaube, er war tatsächlich verwirt. :D

Inzwischen ist es halb 6, die Sonne geht schon wieder unter, die Hostel-Katze ohne Namen liegt und schnarcht auf meinem Rücken (und ich auf dem Bauch auf dem verranzten Sofa auf der Dachterasse, nur liegend), die Muezzin fangen schon wieder an zu Singen, der Tag ist zu Ende, jedenfalls für mich.

Ein Tag voller wertvoller Begegnungen, ich habe Jerusalem von sehr unterschiedlichen Seiten erlebt und das ganz ohne teuren Touristenguide.
25.9.10 17:33
 
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