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Yad Vashem und lange Fußmärsche und Reflektionen

Schon allein die Busfahrt war abenteuerlich.
Taxi ist einfach viel zu teuer, sämtliche Preise hier kann man durchaus mit den heimischen Preisen vergleichen, egal ob Taxi, Zigaretten, Eintrittspreise, Essen ausserhalb oder aus dem Supermarkt.
Back to topic – im Bus aus der Stadt raus wars noch okay, in die Stadt rein kam man kaum, da heute der höchste Feiertag des Laubhüttenfests ist (der „Jubeltag“, es wird sich gefreut…).

Im Bus eine Soldat, mit der Uzi auf dem Schoß, tief und fest am schlafen, mit dem Kopf gegens Fenster gelehnt. Nicht daß der im Schlaf mal mit den falschen Muskeln zuckt… (okay, ich weiß, es gibt ne Sicherung. )

Yad Vashem hat nen eigenen Busshuttleservice von der regulären Buststation aus, da ich aber nicht genau wusste, wann ich aussteigen muß, bin ich mal der einzigen Mitfahrerin nachgedackelt. Und kam auch an. Allerdings am anderen Ende von Yad Vashem, dem „Tal der Gemeinden“. Gut, dann zäumen wir das Pferd eben von hinten auf.

Yad Vashem ist, für alle die es nicht kennen, DIE Gedenkstätte die an alle Opfer und Überlebenden des Holocausts erinnert und sie ehrt und alle Daten, Fakten und persönlichen Zeugnisse sammelt und wissenschaftlich dokumentiert.

Yad Vashem ( bedeutet im hebräischen „Denkmal“ und „Name“) erhielt seinen Namen nach Jesaja 56,5: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ (hab ich natürlich gewikit, das hab ich mir nicht mehr ganz merken können.)

Was ich aber sehr erwähnenswert finde, ist die Tatsache, daß man Yad Vashem unterschiedlich übersetzen kann: „gedenke der Namen“, „Denkmal der Namen“, „Denkmal aus Namen (gemacht)“ – und alles trifft zu!

Also von hinten anfangen, den Touris (die noch nicht anwesend sind ausser meiner Person) entgegenlaufen, zunächst wirkliche Ruhe. 20 Hektar wollen erkundet werden…

Das Tal der Gemeinden. Ein Irrgarten aus Sandsteinen gebaut, in jeder Nische große gravierte Tafeln mit den Namen der jüdischen Gemeinden (auf hebräisch und in der Landessprache), die während des Holocausts dem Erdboden gleichgemacht wurden. Angelegt wie eine Weltkarte, und es sind soviele Städte… keine, die ich gesucht und nicht gefunden habe.
Im Multimediacenter (mittendrin im Tal) ist auch noch niemand, der dösende Empfangsmokel versteht mich nicht, schiebt mich aber förmlich in den „Kinosaal“, wo ich die Geschichte der Juden vor dem zweiten Weltkrieg in Bildern erzählt bekomme. Nicht viel Neues, aber beeindruckend zusammencollagiert.

Weiter in der brütenden Hitze (morgends um 8 Uhr hats hier schon muckelige 35°C im Schatten) auf dem „Weg der Gerechten unter den Völkern“ vorbei unter Pinien, Johannisbrotbäumen, und anderen, die ich nicht identifizieren kann. Die "Gerechten unter den Völkern" sind diejenigen Nichtjuden, die während des Holocausts Juden Unterschlupf gewährten, oder wie Oskar Schindler dafür sorgten, daß Juden vor den Vernichtungslagern gerettet wurden, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens für andere stark gemacht haben. Und es sind viele.
Und jeder, der nominiert und dann geehrt wird, bekommt eine Urkunde, einen Orden (ähnlich dem Bundesverdienstkreuz) und wird eingeladen, einen Baum zu pflanzen auf dem Gelände Yad Vashem zu pflanzen. Und es stehen dort viele Bäume...

Weiter dahin, wo es nach Museum aussieht. Ist aber die „Halle der Erinnerung“ – eine riesige Fläche, aus tausenden Mosaiksteinen zusammengesetzt, auf der die Namen der größten Vernichtungslager eingelassen sind, und ein gußbronzener zerbrochener Kelch, direkt unter einem Okular in der Decke, in dem ein ewiges Feuer brennt. Hier ist es kühl, still, und sehr gedenklich. Eigentlich eine gute Einstimmung auf das, was jetzt kommt, das Museum an sich.

Ein UmhängeMP3PlayerFunkenähnliches Gebamsel besorgt, auf deutsch spricht eine Frau in feierlichem Singsang in mein Ohr. Nervt mich schon nach wenigen Minuten, aber ein paar interessante Fakten sind dabei. Die Architektur wird erklärt, Zahlen und Fakten, und alles hat eine tiefere Bedeutung… Nunja.

Die Ausstellung befasst sich chronologisch mit den politischen Zusammenhängen, der Annektierung Österreichs, den ersten Ghettos, dem Barbarossadings, Marshallplan, und viele Dinge, die ich schon im Geschichtsunterricht langweilig fand. Ich glaube, zu politischen Ereignissen werde ich nie wirklich einen Draht bekommen…

Allerdings mu man eingestehen, daß Hitler einen fähigen Beraterstab hatte, "Marketing" allererster Sahne. Manipulation durch Massenmedien (Zeitungen, Bücher, Kinderspiele, Volksempfänger, Wochenschau, usw.) wie man es nicht besser machen könnte. Leider. Ein Kinderbrettspiel namens "Juden raus!", wo derjenige gewinnt, der durch Strategie und Würfelglück als erster 6 Juden vom Spielbrett gejagt hat... Gruselig.

Im Bereich, der die Gettos in Krakaw und vielen anderen Städten behandelt, die Enteigung der Juden, die öffentlichen Demütigungen, Deportierungen, Ghettoaufstände, die Vernichtungslager an sich, und nicht zuletzt das Schicksal der Verfolgten und letztlich Überlebenden nach Kriegsende sind eindrucksvoller.
Die Zeitzeugenberichte, per Video an den Wänden zu sehen, sind deutlich tiefergehend, Einzelschicksale, Namen, persönliche Gegenstände, Briefe, Plakate (u.a. auf deutsch) machen vieles sehr viel fassbarer…
Ziemlich kaputt komme ich in den letzten Raum der Ausstellung, der „Halle der Namen“ – in Aktenordnern sind pro bekanntem Namen eines Holocaustopfers eine Seite als Gedenktafelersatz abgeheftet. Und es sind viele Ordner… Und immer noch einige Regale frei, für all diejenigen Namen, die noch nicht erfasst und bekannt sind. In der Mitte des runden Raumes eine tiefe Grube in den Fels gehauen, direkt darüber ein Kegel, von innen mit Portraitfotos von ermordeten Menschen gespickt. Durch die Zeitzeugenberichte und die persönlichen Gegenstände von einigen meint man, ein paar dieser Menschen persönlich zu kennen und empfindet auf einmal eine Trauer, die über das Gefühl hinausgeht, wenn man nur über die politischen Ereignisse und die Zahlen der Opfer liest.

Aber es kommt noch heftiger.
Raus aus dem Museum, die Halle der Erinnerung nocheinmal kurz besuchen, ein paar hundert Meter weiter zur Gedenkhalle der Kinder. Man steigt einige Stufen zwischen Sandsteinen runter, biegt zweimal links ab, ist geblendet von dem hellen Stein und der Hitze und steht plötzlich im Stockfinstern, sucht nach Halt in Form eines Handlaufs an der verspiegelten Wand. Nach zwei Sekunden nimmt man hunderte, tausende, Millionen von Kerzenlichtern im Dunklen wahr, die wirklich überall leuchten. In weiter Ferne, über einem, unter einem, tausendfach gespiegelt, und eine Frauenstimme liest die Namen von Kindern vor, auf hebräisch, deutsch, englisch, niederländisch, polnisch und natürlich hebräisch. Name, Alter, Heimatland. Die Frauenstimme liest weibliche Kindernamen vor, eine Männerstimme männliche Kindernamen. Moishe Felsen, 3 Jahre alt, Deutschland. Ruth Gorbeinam, 15 Jahre alt, Litauen. Und so weiter.
Darf ich gestehen, daß ich mir die Augen aus dem Kopf geheult hab?

Gut, daß der Weg zurück ohne Bus ziemlich weit ist, ich bin gelaufen. Hatte etwas Zeit zum Nachdenken, bis ich dann in „Neu-Jerusalem“, dem westlichen Teil der Stadt ankam.

Wurde beinahe erschlagen von diesem Mix aus modernen Geschäften, McDoof mit Rucksackcheck am Eingang durch Sicherheitskräfte mit Uzis (aber ohne McRib, weil Schweinefleisch), Falafelbuden, Ramschläden, wo unsere ImportExportTürkenläden echt nicht mithalten können, Schuhgeschäften (wieviele Paare Schuhe braucht ein Mensch????), Sukkas vor jüdischen (und natürlich kosheren) Restaurants (nochmal erklären? Sukka = behelfsmässige Unterkunft im Freien, zur Zeit des Laubhüttenfests, in denen ein Jude mindestens 7 Nächte (ausserhalb Jerusalems 8 Nächte) zumindest zeitweise verbringen soll im Gedenken an die Jahre, die das jüdische Volk durch die Wüste gezogen ist), abgewrackte mehrstöckige Wohnhäuser, renoviert zum letzten Mal vermutlich vor dem ersten Weltkrieg, neben nagelneuen Einkaufspassagen, die locker mit denen auf der Königsallee, Düsseldorf mithalten können. Gegensätze, meine Fresse.

An Bet She´arim bin ich nur vorbei gegangen, das ultraorthodoxe Viertel, in das man nur nach gründlichem Rucksackcheck und Leibesvisitation reinkommt.
Mich mehrfachst verfranst, aber es hat sich gelohnt!

Irgendwann dann doch wieder am Jaffator angekommen, wo (immer noch!!) das Jubelfest mit Kirchenbasarständen, musikalischen Darbietungen von örtlichen Vereinen und jeder Menge Fressbuden tobt. Natürlich wieder nur mit Rucksack öffnen und Polizeiabsperrungen…

Nach nun fast 12 Stunden Wanderung wieder im Hostel. Schlafplatz sichern, Rucksack umräumen, Duschen, Wäsche waschen (ich hab mein Lieblingsoberteil, und bis morgen ist das eh trocken), auf der Terasse mit Menschen reden.

Und genau das ist so toll an Hostels. Ich verkrieche mich nicht in mein behagliches Hotelzimmer mit Klimaanlage und TV, sondern sitze, Beine baumelnd und rauchend, über der Stadt und unterhalte mich mit (Name vergessen) über Yad Vashem.

Kann für mich nicht behaupten, daß ich als Deutsche mich schuldig fühle. Ich trage keine Erbschuld mit mir herum. Ich bin 1975 geboren, entschuldigung… Bin aber sensibiliert für das Thema gerade wegen meiner Herkunft, natürlich. Den Unterschied klar zu machen wäre mir auf englisch diesmal eher nicht gelungen.

Ein schöner Abschluß dieses Tages, reflektieren zu können mit jemandem zusammen, der auch dort war, zeitnah.

Ein langer Tag, ein langer Text. Ich gehe schlafen mit der Geräuschkulisse der Stadt, die Feierlichkeiten am Jaffator, knappe 200 m entfernt. Scheiße, ich liebe meinen Schlafplatz auf dem Dach der alten Stadt!!

Morgen wird’s kürzer, glaub ich.
26.9.10 23:03
 
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