Bei riesigen Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage und schlagen Sie Ihren Arzt mit dem Apotheker.

  Startseite
    Alltags
    Teetester
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Freunde
   
    sauber

   
    alaya

    scarlett1
    - mehr Freunde




  Links
   BlueFuzzyGuy
   Rince
   geek castagir
   sibirische Blog-Kade
   ich war das nicht!
   die Zahnfeee




  Letztes Feedback
   18.07.14 19:59
    xoglvebb
   19.07.14 22:13
    hlfbomvl
   22.07.14 03:18
    sqkvabra
   28.07.14 20:02
    joilnqpm
   29.07.14 04:59
    didcoqio
   18.01.17 20:07
    Gekauft die Katze wusste





http://myblog.de/jelena

Gratis bloggen bei
myblog.de





Kontrastprogramm

Heute morgen erst einmal der halbstündliche Check, ob mein Gehalt schon online zu finden ist. Hat ein bisschen auf sich warten lassen, aber dann konnte ich endlich losziehen, ohne jeden Schekel zweimal umdrehen zu müssen.

Auf dem recht späten Weg zu meinem Frühstück bin ich Kefah in die Arme gelaufen, der untröstlich war, daß ich unsere "Verabredung" hab sausen lassen. Sorry, ich bin im Stadt-erleb-urlaub und kein Sex-Tourist... (er ist ein wenig aufdringlich...).
Bin ihm dann glücklicherweise (und aufgrund meiner doch inzwischen recht guten Ortskenntnisse inclusive Nebengässchen) doch entwischt, als er seine Tourigruppe durch die Stadt führen musste.

Und wohin bin ich ihm entkommen? Ausgerechnet die "great wall plaza", den Platz vor der Klagemauer. Einmal dort hab ich mich doch noch an die Mauer vorgearbeitet und habe sie berührt. Es stimmt, es herrscht dort ein Durcheinander von Stimmen, eine Kakophonie der Stimmen, in meinem Fall der weiblichen, da die beiden Bereiche streng voneinander getrennt sind.
Aber wer es als ein lautes babylonisches SprachChaos ohne Struktur bezeichnet, der hört nicht genau genug hin und respektiert nicht die Heiligkeit dieses Ortes.

Und bemerkt dann natürlich auch nicht, was allen gemeinsam ist. Die Sehnsucht nach Frieden, in Jerusalem, in der Welt. Die Erlösung aus dieser verrückten und chaotischen Welt, Sehnsucht nach Ruhe und Erlösung. Wo könnte dies deutlicher zum Ausdruck kommen als dort?? Ich habe auch gebetet, für die Stadt, die ich inzwischen kennen- und lieben gelernt habe. Erschien mir einfach angemessen.

Dann kurz entschlossen mit dem Bus zum zentralen Busbahnhof und von dort auf zum toten Meer. Soviele Sicherheitschecks wie in den letzten Tagen, inclusive Metalldetektoren, Gepäckröntgen und Passkontrolle hab ich in meinem Leben nicht gehabt! Aber der zentrale Busbahnhof ist halt wirklich ein erklärtes Ziel von Terroristen. Nichtsdestotrotz quillt dieser Mix aus Fernbusbahnhof, modernem Einkaufszentrum und Teenietreffpunkt mit unzählichen Fastfoodläden aller Coleur vor Menschen bald über.
Hab nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen länger auf den Bus warten müssen, der dann aber die malerischste Strecke meines Lebens gefaren ist.
An Ostjerusalem vorbei, die ersten Sandsteinhügel, und auf einmal waren wir im Wadi Qumran. Eine lebensfeindliche Steinwüste, wo zumindest auf etwa 300 Quadratkilometern keine Menschenseele lebt. Ab und zu sieht man Militärstützpunkte, aber die sind auch nur an den Hautverkehrsadern gelegen, und diese verlaufen irgendwann auch nur noch am Toten Meer entlang.

Vorbei an Qumran vor gigantischer Kulisse, Ovnat, eine ganze Weile gar nichts als rechter Hand Wadi und linker Hand Totes Meer, und dann kam Ein Gedi ("Een Geedi"), das nur aus einem riesigen Parkplatz, einer Duschanlage, einem Kiosk, einer Bushaltestelle und einem Kilometer Steinchenstrand besteht.
Aber wer dort hinwill, der will eh nur ins Wasser.
Und das ist ganz seltsam...

Der Strand des Toten Meeres ist mit (gewikit) knappen 420 Metern unter Meeresspiegel der tiefste Punkt der Erde, den man trockenen Fusses erreichen kann (also nicht von Eis oder Wasser bedeckt). Und genau so fühlt man sich dort auch. Die Luft ist schwefelhaltig und brennt in den Lungen, sie brennt auch in den Augen, was der Wind, der von den Bergen kommt und Sand in sich trägt, auch nicht gerade besser macht. Und dazu dann noch gemütliche 35°C, wenn denn Schatten wäre...

Egal. Ab ins Wasser. Man geht ein paar Schritte und merkt, wie das aufgewirbelte Wasser Schlieren bildet (wie wenn man versucht, drei Eßlöffel Salz oder auch Zucker in einer Mokkatasse voll Wasser unterzubringen), es ist beinahe dickflüssig und schwappt einem träge um die Beine. Gestolpert bin ich dann, und dacht mir, ich fang mal an mit Schwimmbewegungen, aber das funktioniert gar nicht! Man bekommt die Füsse kaum unter Wasser, das geht nur, wenn man ganz senkrecht im Wasser "steht", und dann ist mit vorwärts kommen nicht mehr viel. Also lässt man sich treiben. Wenn man in normalem Wasser auf dem Rücken treibt, werden unweigerlich die Nackenhaare, egal wie kurz die sind, nass. Und man bekommt meist Wasser in die Ohren. Nicht dort. Das Wasser reicht einem, auf dem Rücken treibend, gerade mal bis zur Achsel. Unsichtbare Schwimmflügel und ein unsichtbarer Rettungsring, das triffts am besten glaub ich.
Daß das Salz wie bescheuert in den Bissstellen der beschissenen Bremsen brennt, erwähne ich jetzt nicht, sonst fängts wieder an zu jucken...
Und es schmeckt auch gar fürchterbar. Wusste ich, ausprobieren musste ich es trotzdem. Winzigkeit. Tröpchen. Zuviel.
(Wie bekomme ich jetzt den abgefüllten halben Liter Totes Meer Wasser durch den Zoll...??)

Die Sonne geht unter, die Schwimmer sollen aus dem Wasser kommen. Tun sie natürlich nicht, es ist viel zu genial, die Sonne untergehen zu sehen hinter den Bergen des Wadis, und währenddessen am tiefsten Punkt der Erde in diesem Höllenpool zu treiben...

Dann doch raus, das Salz vom Körper spülen unter einer der Strandduschen, den schwarzen Schlick vom Grund, mit dem sich manche komplett eingeschmiert haben (ich hab mal darauf verzichtet), bin im Hemd reingegangen, wasche es aus, wringe es aus und zieh es wieder an - herrlich kühlend!

Dann zur Bushaltestelle, auf den Bus zurück warten. Schonmal versucht, sich gleichzeitig die Haare zu fönen und ein Wassereis zu essen? Man stelle es sich vor, probiere es am besten gleich mal aus! Allerdings ist der Fön auf heiß gestellt und so groß, daß nicht nur die Haare, sondern der komplette Körper gefönt wird, und zwar ohne ein Geräusch zu machen...
Innerhalb von zehn Minuten waren meine Klamotten trocken (das krieg ich zu Hause nicht mal mit den Haaren hin!!), und das pappsüße WassermelonenWasserEis geistesgegenwärtig nur auf den Steinen neben mir und nicht auf mir verteilt.
Allerdings knirscht der Sand, den der Wind von den Bergen zum Meer trägt inzwischen zwischen meinen Zähnen.
Irgendwann kommt tatsächlich der Bus, und es folgen zwei Stunden Fahrt durch Dunkelheit.
Hin und zurück für umgerechnet 10 Euro, da beklag ich mich nicht.

Wieder zurück im Hostel, schnell einen guten Schlafplatz sichern (wer zuerst kommt, kann als Erstes aussuchen), Klamotten umpacken, in die Stadt, in das Restaurant, das ich vorgestern schon besucht habe und das seeeehr gute Küche bietet. Gebratene Garnelen mit Zitrone, Knoblauch und Petersilie - ein Gedicht!!!
Und die spanische Tourigruppe, die mit 20 Leuten mindestens 40stimmig "el capitano" singt, während die Restauranteigenen Lautsprecher afrikanische Rhythmen zum besten geben, und ich mit dem Laptop an der audiovisuellen Schnittstelle zwischen beidem...

Zum Glück ist das jetzt vorbei, wir hören nach kurzer demokratischer Abstimmung von Koch, Kellner, best girl Rosanna, Mama von Kellner, Besitzer und Thekenstammgast Madonna und Genesis. Glaubt mir, die Alternative hätte mich zur sofortigen und überstürzten Flucht genötigt...

Alles in allem ein abwechslungsreicher, kontrastreicher Tag.
Hitze, Gebete, Steine, Salz, Garnelen, Menschenaufläufe, Spanier und einsame Nachtfahrt. Geil.
28.9.10 22:33
 
Letzte Einträge: soziale Netzwerke


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mam (29.9.10 20:01)
... ich bin ja so neidisch und gleichzeitig so glücklich, dass du das alles erleben darfst ... durch deinen Bericht kann ich das Salz fast schmecken und die Sonne fühlen, hier im kalten, engen Deutschland ... das ist soooo supergenial.
Ich liebe dich, deine Mama

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung